Dresden - Hansa
 
     
 

Im Vorfeld hatte sich die Dresdner Propagandaabteilung ja wieder mächtig ins Zeug gelegt. Wie viele Nachtschichten nötig waren, um die „stilvolle“ Hetze zu inszenieren, lässt sich wahrscheinlich gar nicht beziffern. Nach dem letzten, schwachen Auftritt der SGD in Rostock, hielt sich die Anspannung aber bei vielen in Grenzen. Sonntag früh das bekannte Bild: Jogger, Gürteltaschen, Seidenschals und Büchsenbier... die Fahrt konnte losgehen! Die Cops waren bei den (zugegebenerrmaßen nervigen) Kontrollen aus meiner Sicht relativ entspannt und wenn man seine Brötchen in Klarsichtfolie einschlägt, dann dauerts auch nicht lange bis Team Green den Belag auf Schießpulvergehalt kontrolliert hat. Na ja. Trotz des nicht vorhandenen Sitzkomforts, den so ein ausgelutschter Regionalzug der deutschen Bahn nun einmal mit sich bringt, fand ich die Fahrt doch sehr entspannt und lustig. Und obwohl stiegenweise Bier und andere alkoholische Köstlichkeiten die Kehlen runterliefen, gabs in unserem Umfeld eigentlich so gut wie keine Totalausfälle, bis auf den einen Typen der ein Stockwerk über uns seinen Mageninhalt auf dem PVC verteilen musste. Dass der Lokus bereits vor Fahrtantritt den Geist aufgegeben hatte, fand ich mehr lustig als schockierend.

In Dresden angekommen war bis auf ein paar verteilte "YouTube-Fans" eigentlich nichts zu sehen. Die gefühlten 500 Meter zum Stadion hätte man zu Fuß wahrscheinlich genau so schnell zurücklegen können, aber wenigstens hat man uns nicht wieder ne halbe Stunde über die Stadtautobahn geschickt, wie in Braunschweig. Am, von außen doch recht hässlichen Betonklotz Rudolf Harbig Stadion angekommen, war der Mob bereit die Spielstätte zu entern. Bevor es losgehen konnte, musste dann nur noch der, mit 2 offenen Schotten großzügig angelegte Gästeeingang bezwungen werden. Da man Tor 3 erst nach ner halben Stunde öffnete zogen manche Hanseaten leider den Zonk und wurden für ihre Unmutsbekundungen mit ner Portion Pfefferspray belohnt. Wieder ganz großes Damentennis von der Polizei. Kaum durchs Tor durch wurde ich dann noch gefragt, ob ich nicht der nette Herr hier auf der Fahndungsliste sei, weil ich scheinbar so markante Erkennungsmerkmale wie Augen, Ohren, Haare und ne Brille an mir hatte. Egal. Erstmal ne Wurst! Ohne Vorurteile gehabt zu haben, muss ich sagen, dass das Brät in Pelle echt zum Abgewöhnen war. Kaum Würze, lascher Eigengeschmack, mäßig gegrillt. Der Senf aus Bautzen war noch das Beste daran.

Gegen 14:15 Uhr, beim Gang in den Block fiel der Blick natürlich zuerst auf die mächtige HTT der Dresdner, die eigentlich gar nicht so mächtig aussieht. Aber gut, mal gucken was der K-Block stimmungstechnisch gegen uns auffährt. Links und rechts des Gästeblocks zeigte sich „Altbewährtes“: Sonnenbebrillte, braungebrannte Discojapper, besoffene Altfans und schmächtige "Wochenendhooltras", die zwar nicht im K-Block stehen wollen und natürlich nen Maxen machen müssen. Man winkt sich zu, pöbelt zurück. Eigentlich ganz lustig. Kurz bevor es dann losgehen sollte, irgend ne Dynamohymne und ne kleine Schalparade, die nicht nur subjektiv absolut nicht mit unserem Hansa Forever mithalten kann, da nur Dynamos Stehtribüne mitzieht. Schwach. Kurz darauf gings dann mit Volldampf auch bei uns los. Ich hätte mir neben den ganzen Blinkern und Bengalen zwar mehr blauen und weißen, statt orangen Rauch gewünscht aber trotzdem ne gelungene Aktion. Vorallem ist erfreulicherweise alles im Rahmen geblieben. Es flog diesmal nichts aus dem Block, keine Leuchtspur und es wurde auch wirklich nur zum Anfang des Spiels kurz eingeheizt. Der Böller kam (YouTube-Beweise sei Dank – ist es doch mal zu was nütze) von den sächsischen Blocknachbarn. Wollte man HRO wieder den schwarzen Peter zuschieben. War wohl nix. Dass der Rauch verdammt bissig in Lungen und Augen war, musste man allerdings in Kauf nehmen... vor allem wenn man so blöd ist, und seinen Schal im Zug vergisst.

Danach unser Support durchweg auf nem amtlichen Niveau, auch wenn da noch Luft nach oben war. Allerdings grausam, dass alles wieder so schnell gesungen wurde. Unsere beiden Trommler konnten einem richtig Leid tun. Ich versteh auch nicht, was daran so schwer ist, im Takt zu singen und zu klatschen?! Viele Lieder verlieren, wenn sie so gehetzt vorgetragen werden total an Wirkung. Ansonsten unzählige, schweißtreibende Hüpfeinlagen, sämtliche Klassiker des Rostocker Liedgutes und ne relativ hohe Mitmachquote.

Und die HTT von Dynamo, die auf geknipsten und gefilmten Bildern doch immer sehr imposant wirkt? Man kann nicht sagen, dass der Support schlecht war, das wäre Quatsch. Aber ich persönlich war trotzdem relativ enttäuscht. Bei unserem Gegenüber waren doch sehr viele Pausen zu verzeichnen. Was Zaunfahnen, Doppelhalter, Schwenker angeht, hat der K-Block auch schon ne bessere Figur gemacht.. Bei Hüpf-/Klatsch-/Schaleinlagen, war es meist nur der K3, der Mittelblock, der gut mitzog. Gegen Hansa hätte da unserer Meinung nach mehr kommen müssen. Statt dessen zeigen UD fast 2 Hand voll Spruchbänder. Dass Fischkopp nach wie vor keine Beleidigung für uns darstellt, ist entweder immer noch nicht bei den Sachsen angekommen oder man wollte uns mit dem Spruch "Eemer Wasser, Eemer Sand - färtsch ist das Fischkoppland" einfach nur nett begrüßen. Ich fand den Spruch nicht schlecht. Ansonsten hier und da wieder n bisschen Gejammer zwecks Kartenvergabe und eine Tapete mit: "Tausend mal trainiert - tausend mal ist nichts pasSieRt!" Da würde ein wenig Selbstreflexion vielleicht auch ganz gut tun UD.

So und bevor ich jetzt noch nen halben Roman schreibe, komm ich langsam zum Schluss und natürlich noch kurz zum sportlichen Teil des Tages, der übrigens sehr sehr spannend und ansehnlich war und mir gefühlte 50 Herzkasper bescherte. Hansa besser als gegen Paderborn. Die erste halbe Stunde gehörte optisch der SGD - trotzdem agierten beide Teams eigentlich auf Augenhöhe. Die klar besseren Chancen hatte dabei ehrlicherweise Dynamo. Dass 1:0 per Freistoß durch Ziege hätte der Dresdner Keeper eigentlich haben müssen - hatte wohl nicht damit gerechnet, dass der Ball flach ins Torwarteck flattert. "Zu 50 Prozent war der Sieg im Kasten - aber die halbe Miete war das noch lange nicht!" (Zitat Rudi Völler) Hansa hier und da mit Möglichkeiten nachzulegen aber wie so oft fehlte das letzte Quäntchen Glück... wie auch beim Gegentor, bei dem sich der sonst sehr starke Wiemann und Kevin Müller den Ball in bester Pingpong-Manier selbst ins Tor beförderten. Bitter, aber letztendlich ein relativ verdientes Remis. Unser Trainer meinte nach dem Spiel ganz vortrefflich „Das Spiel hätte auch 3:3, 4:4 oder vielleicht 5:5 ausgehen können.“ Hansa zeigte schon deutlich stärkere Ansätze als noch in der Woche zuvor. Hier und da gab es mal ein paar schöne Kombinationen, auf der anderen Seite natürlich noch immer viele Abstimmungsprobleme und Unzulänglichkeiten im Spielaufbau und dem Stellungsspiel hinten. Am besten gefallen haben mir trotz Bock beim Tor Wiemann, Pelzer, Jänicke, Mintal (findet sich langsam ein) und zu nem großen Teil auch Ziege. Seine Aktion gegen Fiel fand ich übrigens ziemlich amüsant, ne Szene, die man sich noch Jahre lang immer wieder angucken könnte... herrlich!

Rückfahrt verlief dann auch ohne weitere Vorkomnisse und mit den entsprechenden, lustigen Zeitvertreiben im und um den Zug. Danke an alle Dosenfußballer, an den tanzenden Opa und an den Rostocker Bahnhofsdöner!

AHU!

 
|